In der Philosophie ist alles umstritten! Zu jeder Auffassung oder Theorie gibt…

In der Philosophie ist alles umstritten! Zu jeder Auffassung oder Theorie gibt es mehrere andere, jede auf ihre Art begründet, aber niemals letztbegründet. Auch Termini und Begriffe werden unterschiedlich verwendet, ja man ist sich nicht einmal darin einig, wie der Inhalt bestimmte Begriffe erklärt werden kann und ob es überhaupt allgemeine Begriffsbestimmungen geben kann oder nur Bestimmungen in bestimmten Kontexten. Mit dem von Stiller verwendeten Urteil „grundsätzlich unbrauchbar“, das er offenbar auf alle Auffassungen und Richtungen anwenden will, die er nicht teilt, wäre ich eher vorsichtig. Zunächst zu dem, in dem wir übereinstimmen: Ja, in Ansehung des christlichen Gottes bin nicht Agnostiker, sondern Antitheist, d. h. ich glaube nicht nur nicht an seine Existenz, sondern sage, es gibt ihn nicht, da er erkennbar ein Phantasieprodukt ist, dazu noch mit vielen Widersprüchen und Ungereimtheiten, wie die gesamte Bibel. (Natürlich muss man meine Auffassung nicht teilen.) Wenn aber jemand die Hypothese aufstellt, es gebe ein übernatürliches Wesen mit Vernunft und der Fähigkeit zu planmäßigem Handeln, ohne dessen Mitwirkung das Universum nicht entstanden wäre – und weiter nichts -, dann verlangt das Postulat der intellektuellen Redlichkeit (sh. Metzinger: Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit) schichtweg , dass ich weder an dessen Existenz, noch an dessen Nichtexistenz glaube. Allenfalls könnte ich würfeln und sagen, wenn der Würfel 1,2 oder 3 zeigt, glaube ich das eine, sonst das andere. Aber was würde das mir bringen? In diesem Fall halte ich einen konsequenten Agnostizismus für die einzig konsistente philosophische Position. Würde ich dem Würfel folgen, verhielte ich mich irrational. Skeptizismus und Agnostizismus mögen nahe beieinander liegen, unterscheiden sich jedoch im Objekt. Ersterer betrifft alle Erkenntnisvorgänge, also auch solche Sachverhalte, zu denen wir durchaus Informationen haben, letzterer nur Sachverhalte, bei denen wir vollkommen im Dunkeln stehen. Ich bin ja lernfähig. Sagt mir doch bitte, ausgehend von der im vorletzten Absatz genannten Hypothese oder der Hypothese über einen Exoplaneten mit Kängurus (ohne absurde Ausschmückungen), wie ich mich anders verhalten könnte und warum dieses, z. B. würfeln oder Mutti fragen, besser sein sollte, als sich auf die Unmöglichkeit einer Erkenntnis zu berufen.

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