Schließen sich Wissenschaft und Religion aus?

Wichtige Fragen

Was ist der Sinn des Lebens? Warum gibt es uns? Wer haucht den Lebewesen den Lebensatem ein? Ganz eng mit diesen Fragen verbunden: Wie begann der Kosmos? Lange gab es nur eine Antwort: Nur Gott kann das Universum und die Menschen geschaffen haben. Dem Christentum zufolge brachte Gott durch sein göttliches Wort Kosmos und  Lebewesen hervor. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“, heißt es in der Genesis. Je mehr Wissen aber die Naturwissenschaften hervorgebracht hatten, desto mehr zeigte sich, dass viele Phänomene auf ohne Gott begreifbar wurden. Und so hält der philosophische Streit über die Existenz Gottes bis heute an.

Interessant ist nun aber, dass renommierte Wissenschaftler tief gottesgläubig sind. Und so zeigt sich bis heute, dass zwar die Naturwissenschaft bis auf zehn Trilliardstel Sekunden an den Urknall herankommt, aber eben nicht den Punkt Null beschreiben kann. Nach der Allgemeinen Relativitätstheorie ergeben sich für Druck und Temperatur unendliche Werte zur Stunde Null, ähnlich wie in Schwarzen Löchern. Somit könnte das Rätsel um den Weltenbeginn weiterhin und auf Dauer den Deisten vorbehalten bleiben, weil es nur von Gott gelöst werden kann.

Interessante Fragen, die für eine Existenz Gottes sprechen sind weiterhin:

  • Warum endet bei den Quanten die Kausalität?
  • Warum regiert der Zufall das Verhalten von Elementarteilchen?
  • Wie entsteht das Leben?
  • Wie ist unser Gehirn – die komplexeste Struktur des Universums – entstanden?
  • Wer hat die physikalischen Konstanten und Naturkräfte so fein abgestimmt, wie sie im Augenblick des Urknalls festgelegt wurden? Denn wären diese nur geringfügig anders beschaffen, dann würde es darin weder Galaxien, Planeten, Sterne noch Leben geben.

Die String-Theorie der Naturalisten

Bei der Suche nach einer Weltformel, welche alle Phänomene im Kosmos einheitlich beschreiben kann, entwickelten die Naturalisten die „String-Theorie“. Danach sind Elementarteilchen eindimensionale Fäden, die allerdings in vielen Dimensionen schwingen. Und so zeigen ihre Formeln, dass es zahllose Kosmen geben könnte, genau genommen 10500 . Und in dieser Kosmen sollten andere Naturkonstanten und Naturkräfte herrschen. Die Menschen können nur in einem All mit einer zufällig lebensfreundlichen Konstellation leben. So könnten die vielen einzelnen Kosmen unabhängig voneinander existieren. Oder die Kosmen gehen durch Quanteneffekte auseinander hervor. Und so wird von vielen Physikern die Entstehung des Universums auf ein Quantenvakuum (Zustand von reiner Energie, frei von Raum, Zeit und Materie) zurückgeführt. Und der Urknall wurde dann – zufällig – durch die Änderung des Energiezustandes eines Quantenfeldes hervorgerufen (Quantenfluktuation). Dies wäre keine Schöpfung aus dem Nichts, denn Quantenfelder sind auch im Vakuum vorhanden.

Mit noch mehr Phantasie ist die Schöpfungsgeschichte des US-Physikers John Richard Gott gespickt: Das Universum erschuf sich quasi von selbst aus einer geschlossenen Zeitschleife. Damit hätte das Universum zwar einen Anfang, aber keinen ersten Moment. Die Raumzeit gleicht danach einem Stamm, von diesm zweigt ein Ast ab und wird wird zur Wurzel des Stamms. Eine Quantenfluktuation unterbrach dann dieses endlose Kreisen der Zeit durch einen ersten Urknall: Dabei sprang ein Kosmos in die raumzeitliche Existenz. Weitere  Universen spalteten sich ab, darunter auch unseres.

In seinem neuen Buch „Der große Entwurf“ ergriff auch Stephen Hawking Partei für diese atheistische Weltsicht. Spontane Erzeugung sei der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts. Spontane Erzeugung sie auch der Grund, warum es das Universum und uns gebe. Und es sein nicht nötig, Gott als ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzünde und das Universum in Gang setze. Wenn es so sei, dass Gott der Schöpfer des Universum und der Menschen sei, dann bleibe zu fragen, wer ihn geschaffen hat. Für Hawking liegt dem Universum ein Entwurf zu Grunde, der nicht auf dem Willen eines Gottes sondern auf Naturgesetzen beruhe.

Die Singularität

Auf der anderen Seite der Skala stehen Forscher wie der religiöse US-Physiker Frank Tipler. Für ihn ist der Urknall Gottes Werk, der damit das Universum geplant und erschaffen habe. Er glaubt, dass die physikalischen Gesetze die Existenz einer kosmischen Singularität erfordern. In der Singularität gebe es keinen Raum und keine Zeit, keine Polaritäten nur Einheit. Die Singularität transzendiere das Universum, wie es nur Gott könne. Diese Unendlichkeit sei in der Theologie gleichbedeutend mit Gott.

Carlo Rubbia ist als Forscher tief beeindruckt von der Ordnung und Schönheit, die im Kosmos existiere. Und er könne nicht zurückweisen, dass eine höhere Ordnung der Dinge existiere. Es sei eine Intelligenz auf höherer Ebene vorgegeben, jenseits einer Existenz des Universums. Und für den Kosmologen Gerhard Börner sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze, denn beide würden nur verschiedene Perspektiven derselben Wirklichkeit aufzeigen. Die Naturwissenschaft bestimme innerhalb ihrer Gültigkeitsgrenzen was wahr und was falsch sei und es wäre doch sehr bemerkenswert, dass die Urknalltheorie in ihrer modernen Fassung sehr gut zur biblischen Aussage passen würde. Gott hätte die Welt aus dem Nichts erschaffen und dies müsse Gott außerhalb von Raum und Zeit getan haben. Unterstützt wird die These durch die Forderung Hans Küngs, Naturwissenschaft und Religion müssten komplementär zueinander sein. Naturwissenschaft würde bei der Frage nach dem letzten Woher unserer Wirklichkeit versagen, daher sollten Forscher Gott zumindest als Hypothese zulassen.

Energiefelder

Günther Hasinger hat ein anderes Gottesbild. Ein alles durchdringendes Energiefeld könnte existent sein, welches auch vorhanden wäre, wenn sonst nichts existiert. wie die mysteriöse dunkle Energie, welche das Universum beschleunigt expandieren lasse. Ähnlich argumentiert der Pantheist Baruch Spinoza, der glaubt, dass das Göttliche sich in allen Erscheinungen der Welt manifestiere, daher sei das Universum gleichbedeutend mit Gott. Auch Albert Einstein war in dieser Weise gläubig. Beide glauben an einen Gottl, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart und nicht an einen Gott, der in das Schicksal und die Handlungen der Menschen eingreift. Gott sei somit gleichbedeutend mit den Naturgesetzen.

Woher und warum?

Wenn Gott der Schöpfer ist, stellt sich die Frage, woher dieser Gott kommt und wer ihn erschaffen hat. Gläubige sagen, dass Gott von sich selbst, also von Gott, kommt. Für die Naturalisten ist diese Antwort unbefriedigend, denn wissenschaftliche Überzeugungen müssen auf nachprüfbaren Beweisen beruhen. Das mündet in die Aussage von Peter Atkins, der die Religion als gescheitert erklärt. Die Wissenschaft als höchste Freude des Intellekts sollte als Königin anerkannt werden. Sollten die Theorien der Naturalisten vollständig werden, könnten sie zwar erklären, wie das Universum entstanden ist, aber keinesfalls warum. Selbst wenn alles wissenschaftlich erklärt werden könne, so fehlt doch das wirklich Wichtige: Warum sind wir  hier? Warum ist das Universum entstanden? Vielleicht ist das die alles entscheidende Antwort in der Diskussion um Glaube und Wissenschaft: Die Wissenschaft erforscht das Wie und die Religion kümmert sich um das Warum.

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