Wissenschaftler auf der Suche nach Gott

Stonehenge, die gigantischen Steinquader, die um 1600 v. Chr. entstanden, war ein kultischer Ort und gleichzeitig ein Himmelsobservatorium. Mit Hilfe von Pfosten und Steinen konnte man Auf- oder Untergänge von Sonne und Mond genau anpeilen, Tageslängen bestimmen und selbst Mondfinsternisse vorhersagen. Stonehenge steht für den Glauben an das Übernatürliche und gleichzeitig für “wissenschaftliche” Beobachtung der Gestirne. Diese beiden Facetten – Science and Spirit – sind in Stonehenge unübersehbar miteinander verwoben. Denn der wissenschaftliche Blick Richtung Himmel offenbarte nicht nur Sterne, sondern auch Götter und Geschicke.

Was denken heutige Astronomen, wenn sie das nächtliche Firmament betrachten? Sehen sie auch das Göttliche? Der Astronom K. Meisenheimer sagt beispielsweise, dass ihn der Anblick zwar faszinieren, doch sehe er nichts Göttliches im All. Meisenheimers ehemaliger Doktorand E. Thommes hingegen spürt beim Betrachten des Sternenhimmels etwas Göttliches. Er fühle sich geborgen und gleichzeitig geführt von einem persönlichen Gott.

Interessant scheint zu sein, dass sich die beiden Forscher über ihre gegenteiligen Auffassungen nie unterhalten haben, liegt doch bei Astrophysikern das Hauptaugenmerk der Debatte auf rationalen Fragen und  nicht auf Fragen nach Gott – diese gelten als zu persönlich.

Sind Wissenschaftler gläubige Menschen? Sicher ist, dass viele Astronomen das Unerklärbare in ihre Sicht der Welt einbeziehen. Was in früheren Zeiten selbstverständich war, göttliches Wirken und Naturgesetze miteinander zu vereinbaren, gilt für viele heute lebende “aufgeklärte” Wissenschaftler als eben nicht vereinbar. Waren Kopernikus, Galilei, Kepler, Einstein und Newton alle gläubig, so hielten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr Astrophysiker Gott für überflüssig.

Uns was mit der Entdeckung des Urknalls begann, nämlich die Geburt des Kosmos verstehbar und alles mit physikalischen Gesetzen erklärbar zu machen, mündete in die Aussage von dem erklärten Atheisten C. Sagan, dass für einen Schöpfer nichts mehr zu tun bliebe.

Doch dann schoss das Religiöse zurück in die Naturwissenschaften: 1992 entdeckte ein amerikanisches Astrophysiker-Team Schwankungen in der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, den frühesten Strukturen des Universums – nur 380.000 Jahre nach dem Urknall. Uns so gehen Naturwissenschaftler seit einiger Zeit Hinweisen auf die Existenz eines übernatürlichen Wesens nach: Z.B. der Physiker Paul Davies (“Der Plan Gottes”) oder auch Frank Tipler (“Die Physik der Unsterblichkeit”). So ist Tipler  überzeugt, dass man mit physikalischen Mitteln die Existenz Gottes beweisen könne.

E. Thommes hingegen kann Tiplers These nichts abgewinnen, denn Tiplers Interpretation sei sehr weit hergeholt. Man könne Gott nicht mit Physik beschreiben, das sei unmöglich. Diese Meinung vertritt auch A. Benz vom Institut für Astronomie der ETH Zürich. Benz ist ebenfalls von der Existenz Gottes überzeugt, hält aber wenig von einem Gottesbegriff, der dann weiterhelfen soll, wenn physikalisches Wissen an Grenzen stößt, denn Gott sei kein Lückenbüßer.

Aber wenn Gott sich weder physikalisch beweisen lässt und auch nicht als Erklärung der nicht zu erklärenden Bereiche der Naturwissenschaften dienen soll, wie begründen dann Astrophysiker ihren Glauben?

M. Federspiel vom Planetarium der Stadt Freiburg erklärt es damit, dass die Naturwissenschaft Methoden entwickelt habe, mit denen sie erfolgreich Teile der Wirklichkeit beschreiben könne, aber eben nur Teile. Folgerichtig komme die Naturwissenschaft nur zu bestimmten Antworten. Und fehlende Antworten auf Fragen, wie z.B. Geist und Materie zusammenhängen oder warum Naturgesetze sind wie sie sind, können die Naturwissenschaften nur gemeinsam mit der Theologie und der Philosophie suchen.

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